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"Zwischen Salzburg und Bad Ischl..."

Erste Pläne bereits 1860

Pläne für eine Bahnverbindung zwischen Salzburg und Bad Ischl gab es bereits kurz nach der Fertigstellung der heutigen Westbahnstrecke zwischen Wien und Salzburg im Jahr 1860. Vor allem der aufkommende Fremdenverkehr im Salzkammergut blühte, die Sommerfrische wirkte als Motor für die Bahnidee. Nach dem Scheitern verschiedenster Projekte in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts konnte schließlich Ing. Wilhelm Michel gemeinsam mit dem Bauunternehmen Stern & Hafferl in Wien nach gesicherter Finanzierung im Jänner 1890 von Kaiser Franz Joseph I. eine Konzession "zum Baue und Betriebe einer als schmalspurige Localbahn auszuführenden Locomotiveisenbahn von Jschl über Strobl, St. Gilgen und Mondsee nach Salzburg" erlangen.

In vier Jahren fertiggestellt

Damit war der Startschuß zu hektischer Betriebsamkeit gegeben, denn das erste Teilstück von Ischl Lokalbahnhof nach Strobl (10 km) wurde noch vor der endgültigen Konstituierung der "Salzkammergut Localbahn Actien Gesellschaft" im Sommer 1890 eröffnet; kaum ein Jahr später konnte bereits das große Salzburger Teilstück von Salzburg nach Mondsee/St. Lorenz (30 km) dem Verkehr übergeben werden, womit den ersten Bedingungen der Konzessionsurkunde entsprochen worden war. Das technisch anspruchvollste Teilstück zwischen Strobl und St. Lorenz wurde in nur zweijähriger Bauzeit realisiert, so daß Kaiser Franz Joseph I. bereits am 11. Juli 1893 von Gastein kommend mit der neu fertiggestellten Lokalbahn nach Ischl zur Sommerfrische weiterreisen konnte. Exakt ein Jahr später (Juli 1894) waren auch die letzten 3,5 km vom provisorischen Lokalbahnhof Ischl zum Ischler Staatsbahnhof verwirklicht, womit die nun insgesamt 63,2 km lange Bahnlinie ihre endgültige Gestalt erreicht hatte.
Die ursprünglich vorgesehene Verbindung von Mondsee zur Westbahn nach Steindorf bei Straßwalchen war aus Kostengründen nie in Angriff genommen worden. Durch die Einrichtung der Wolfgangseeschifffahrt und die Errichtung der Zahnradbahn auf den Schafberg samt Gastronomiebetrieb am Gipfel (1893) erlangte das touristische Angebot der Salzkammergutregion einen Ruf weit über die Landesgrenzen hinaus

400.000 Fahrgäste 1914

Diese Funktion für den Fremdenverkehr erfüllte die SKGLB bis zum Ersten Weltkrieg in ausgezeichneter Weise, was sich in den stetig steigenden Fahrgastzahlen niedergeschlagen hat (ca. 400.000 Personen im Jahr 1914). Die Währungskrise nach dem Weltkrieg und die Wirtschaftskrise der 30er Jahre sollte sich auch für diese Schmalspurbahn fatal auswirken; durch das Ausbleiben der Sommerfrischler aufgrund der "Tausend Mark Sperre" des Nationalsozialistischen Deutschen Reiches war es nicht mehr möglich, größere Investitionen zu tätigen. Nur der laufende Betrieb konnte aufrecht erhalten werden.
Nach dem Zweiten Weltkrieg die Bahn war in der Zwischenzeit in den Besitz der Länder Salzburg und Oberösterreich übergegangen nahmen die Fahrgastzahlen auf dieser traditionsreichen Bahnstrecke in dem Maße ab wie der Auto und Autobusverkehr zunahm. Auch in diesen ersten Nachkriegsjahren wurde die dringend notwendige Modernisierung der Lokalbahn (Bahnkörper, Elektrifizierung) versäumt.

Erste Finanzierungsengpässe schon 1950

Daher kam es bereits 1950 zu ersten Finanzierungsengpässen und das Gespenst der Einstellung ging erstmals um. Die Lokalbahnverwaltung stieg damals selbst in den neuen Markt des Autobusbetriebes ein, um über diesen Weg das Defizit des Bahnbetriebes zu senken. Da die beiden Länder Salzburg und Oberösterreich nicht mehr in der Lage waren, den jährlich größer werdenden Abgang der Salzkammergutlokalbahn zu decken, begannen sie 1952 langwierige Verhandlungen um eine Übernahme der Bahn durch die ÖBB.

Einstellung 1957

Da sowohl diese Verhandlungen als auch die Suche nach Kapital zur Modernisierung des "Feurigen Elias" ergebnislos blieben, kam mit Ende September 1957, 67 Jahre nach der Konzessionserteilung, das endgültige "Halt" für den Personenverkehr von Salzburg nach Bad Ischl. Den zahlreichen Protesten der Fremdenverkehrsorte des Salzkammergutes zum Trotz trug der Individualverkehr den Sieg davon. Nachdem am 10. Oktober 1957 auch der Güterverkehr eingestellt worden war, ging die Liquidation der SKGLB (das Personal wurde von den ÖBB übernommen) rasant vor sich und bereits wenige Monate später waren sämtliche Liegenschaften und der Fuhrpark veräußert.
Was blieb, sind neben nostalgischen Erinnerungen der älteren Salzburger und Oberösterreicher, diverse Radwege auf der Trasse der SKGLB, Reste der Bahnhofsgebäude und eine vertane Chance sowohl für den regionalen Nahverkehr als auch für den Fremdenverkehr des Salzkammergutes.

Chancen für die Zukunft

Angesichts der stetigen Zunahme des Strassenverkehrs scheint nun, mehr als 110 Jahre nach der Eröffnung der alten SKGLB eine Neuerrichtung durchaus angebracht. Einerseits würde eine Teilerrichtung der Strecke und ein Museumsbahnbetrieb der unvergessenen Bahnlinie neue Impulse für die Tourismuswirtschaft der Region Salzkammergut bieten, andererseits würde eine spätere Verlängerung auf die alte Länge eine leistungsfähige "Überlandstrassenbahn" ausserhalb der Saison zur Entlastung der Strassenverbindungen bieten.
Mit Ausnahme weniger neuralgischer Punkte bietet gerade die Übernahme der alten SKGLB-Trasse durch die Strassenerrichter heute die Chance für ein neues Nahverkehrsmittel. Versäumen Sie nicht, das Projekt "Ischlerbahn" ( www.ischlerbahn.at )zu besuchen!

Literatur: Josef Otto Slezak, Von Salzburg nach Bad Ischl, Verlag Josef Otto Slezak, Wien, 1995